Sonderkündigungsrecht bei Mieterhöhung: Wann und mit welcher Frist?

Das Sonderkündigungsrecht gilt, sobald Ihr Vermieter die Miete auf die ortsübliche Vergleichsmiete (§ 558 BGB) oder nach einer Modernisierung (§ 559 BGB) erhöhen will. Sie kündigen dann bis zum Ablauf des zweiten Monats nach Zugang des Erhöhungsschreibens, und zwar zum Ablauf des übernächsten Monats (§ 561 BGB). Die Erhöhung tritt nicht ein; bis zum Auszug zahlen Sie die alte Miete. Bei Staffel- und Indexmiete und bei höheren Nebenkosten gibt es dieses Recht nicht.

Kurz gesagt

  • Wann: bei einer Erhöhung auf die Vergleichsmiete (§ 558 BGB) oder nach einer Modernisierung (§ 559 BGB), unabhängig davon, ob die Erhöhung zulässig ist.
  • Frist: Kündigen bis zum Ablauf des zweiten Monats nach Zugang des Erhöhungsschreibens; das Mietverhältnis endet zum Ablauf des übernächsten Monats danach.
  • Wirkung: Die Mieterhöhung tritt nicht ein. Bis zum Auszug zahlen Sie die alte Miete.
  • Nicht bei: Staffel- und Indexmiete, höheren Betriebskosten, oder wenn Sie der Erhöhung schon voll zugestimmt haben.

Wann gilt das Sonderkündigungsrecht bei einer Mieterhöhung?

Das Sonderkündigungsrecht ist das Recht, nach einer angekündigten Mieterhöhung außerordentlich zu kündigen, ohne die vereinbarte Kündigungsfrist und ohne die Erhöhung zu zahlen (§ 561 BGB). Es entsteht, sobald der Vermieter eine von zwei Erhöhungen geltend macht:

  • Anpassung an die ortsübliche Vergleichsmiete (§ 558 BGB). Dafür gelten eine Sperrfrist von 15 Monaten seit Einzug oder der letzten Erhöhung und die Kappungsgrenze: höchstens 20 Prozent in drei Jahren, in Städten mit angespanntem Wohnungsmarkt 15 Prozent.
  • Modernisierungsumlage (§ 559 BGB). Der Vermieter darf jährlich 8 Prozent der Modernisierungskosten auf die Miete umlegen, höchstens 3 Euro pro Quadratmeter in sechs Jahren, bei Mieten unter 7 Euro pro Quadratmeter 2 Euro.

Das Erhöhungsschreiben muss in Textform kommen und begründet sein, etwa mit dem Mietspiegel, drei Vergleichswohnungen oder einem Gutachten (§ 558a BGB). Ab Zugang haben Sie bis zum Ablauf des zweiten Monats Zeit, über die Zustimmung zu entscheiden (§ 558b BGB). Diese Überlegungsfrist und die Kündigungsfrist des § 561 BGB enden am selben Tag. Stimmen Sie zu, schulden Sie die neue Miete ab dem dritten Kalendermonat nach Zugang.

Ob die Erhöhung zulässig ist, spielt für das Kündigungsrecht keine Rolle. Prüfen sollten Sie sie trotzdem: Ist sie fehlerhaft, können Sie sie abwehren und in der Wohnung bleiben.

Das Recht gilt auch bei einem befristeten Mietvertrag und bei einem vereinbarten Kündigungsverzicht. Eine Klausel, die es ausschließt oder verkürzt, ist unwirksam (§ 561 Abs. 2 BGB). Schon die Ankündigung einer Modernisierung löst ein eigenes Sonderkündigungsrecht aus: Sie kündigen bis zum Ablauf des Monats, der auf den Zugang der Ankündigung folgt, zum Ablauf des übernächsten Monats (§ 555e BGB).

Beispiel: Ihre Kaltmiete beträgt 800 Euro. Am 11. August kommt das Schreiben an, das sie auf 900 Euro erhöht.

Sie können bis zum 31. Oktober kündigen. Das Mietverhältnis endet dann am 31. Dezember, und bis dahin zahlen Sie 800 Euro. Hätten Sie zugestimmt, wären ab dem 1. November 900 Euro fällig. Die Sonderkündigung spart Ihnen für November und Dezember 200 Euro.

Wann gilt das Sonderkündigungsrecht nicht?

  • Staffel- und Indexmiete: Die Erhöhung steht im Vertrag; ein Sonderkündigungsrecht gibt es nicht. Prüfen Sie stattdessen, ob die Staffel oder Indexanpassung wirksam vereinbart ist.
  • Höhere Betriebskosten: Eine Anpassung der Vorauszahlungen oder eine Nachzahlung ist keine Mieterhöhung im Sinne des § 561 BGB. Prüfen Sie die Nebenkostenabrechnung: Verwaltungskosten etwa darf der Vermieter nicht umlegen.
  • Volle Zustimmung oder Urteil: Haben Sie der Erhöhung in voller Höhe zugestimmt oder wurden Sie zur Zustimmung verurteilt, ist das Recht verbraucht. Eine Teilzustimmung, etwa 20 statt 50 Euro, lässt es bestehen; die Differenz kann der Vermieter aber einklagen.
  • Gewerberaum: § 561 BGB gilt nur für Wohnraum. Für Büro, Laden oder Praxis gibt es das Recht nur, wenn es im Mietvertrag steht.

Ein Sonderkündigungsrecht des Vermieters gibt es nicht. Lehnen Sie die Erhöhung ab, ist das kein Kündigungsgrund; für eine ordentliche Kündigung braucht der Vermieter ein berechtigtes Interesse wie Eigenbedarf (§ 573 BGB). Reagieren Sie gar nicht, kann der Vermieter nach Ablauf der Zustimmungsfrist drei Monate lang auf Zustimmung klagen. Nutzen Sie die Frist also: zustimmen, teilweise zustimmen, widersprechen oder kündigen.

Wie setze ich das Sonderkündigungsrecht durch?

  1. Datum des Zugangs notieren. Ab dem Tag, an dem das Erhöhungsschreiben bei Ihnen ankommt, läuft die Frist bis zum Ende des übernächsten Monats.
  2. Schriftlich kündigen. Die Kündigung braucht die Schriftform mit den Unterschriften aller Mieter, geht an alle Vermieter und nennt als Grund die Mieterhöhung nach § 561 BGB.
  3. Rechtzeitig zustellen. Das Schreiben muss spätestens am letzten Tag der Frist beim Vermieter sein, am besten per Einschreiben oder gegen Empfangsbestätigung. Fällt der letzte Tag auf ein Wochenende oder einen Feiertag, gilt der nächste Werktag.
  4. Alte Miete weiterzahlen. Mit der Kündigung tritt die Erhöhung nicht ein. Sie zahlen bis zum Auszug die bisherige Miete.

Ins Kündigungsschreiben gehören Ihre Anschrift, die des Vermieters, das Datum und ein klarer Satz: „Ich kündige das Mietverhältnis außerordentlich nach § 561 BGB wegen Ihres Mieterhöhungsverlangens vom 11. August zum 31. Dezember.“ Eine Bedingung darf die Kündigung nicht enthalten, etwa „falls Sie die Erhöhung nicht zurücknehmen“. Wollen Sie früher ausziehen, erklären Sie zusätzlich die ordentliche Kündigung oder schlagen dem Vermieter einen Nachmieter vor.

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Welche Alternativen zur Sonderkündigung gibt es?

  • Ordentlich kündigen: Mit der gesetzlichen Frist von drei Monaten sind Sie oft schneller aus dem Vertrag als mit der Sonderkündigung.
  • Der Erhöhung widersprechen: Nennen Sie die Fehler (fehlende Begründung, falscher Mietspiegel, Sperrfrist, Kappungsgrenze) und verlangen Sie ein korrigiertes Schreiben. Die Frist beginnt dann neu.
  • Die Erhöhung abwehren und bleiben: Viele Erhöhungen sind unzulässig. CONNY lässt Ihre Mieterhöhung kostenlos prüfen und zahlt den Partneranwalt; Sie zahlen nur, wenn die Abwehr Erfolg hat.
  • Die Ausgangsmiete prüfen: In Städten mit Mietpreisbremse darf die Miete bei Vertragsschluss höchstens 10 Prozent über der ortsüblichen Vergleichsmiete liegen (§ 556d BGB). Liegt Ihre Miete darüber, können Sie sie senken lassen; das lohnt sich unabhängig von der aktuellen Erhöhung.

Häufige Fragen zur Sonderkündigung bei Mieterhöhung

Bis wann muss ich kündigen?

Bis zum Ablauf des zweiten Monats nach dem Zugang des Erhöhungsschreibens (§ 561 BGB). Kommt das Schreiben am 11. August an, haben Sie bis zum 31. Oktober Zeit.

Wann endet das Mietverhältnis?

Zum Ablauf des übernächsten Monats nach Ihrer Kündigung. Kündigen Sie im Oktober, endet es am 31. Dezember.

Muss ich die erhöhte Miete bis zum Auszug zahlen?

Nein. Mit der Sonderkündigung tritt die Mieterhöhung nicht ein; bis zum Auszug gilt die alte Miete.

Gilt das Sonderkündigungsrecht bei einer Staffelmiete?

Nein. Bei Staffel- und Indexmieten ist die Erhöhung im Vertrag vereinbart, ein Sonderkündigungsrecht nach § 561 BGB gibt es dafür nicht.

Kann der Vermieter mir kündigen, wenn ich der Mieterhöhung nicht zustimme?

Nein. Die Ablehnung einer Mieterhöhung ist kein Kündigungsgrund. Der Vermieter kann nur innerhalb von drei Monaten nach Ablauf der Zustimmungsfrist auf Zustimmung klagen (§ 558b Abs. 2 BGB). Ein Sonderkündigungsrecht hat nur der Mieter.

Gilt das Sonderkündigungsrecht auch bei befristetem Vertrag oder Kündigungsverzicht?

Ja. § 561 BGB gilt unabhängig von Befristung und Kündigungsausschluss. Eine Vertragsklausel zum Nachteil des Mieters ist unwirksam (§ 561 Abs. 2 BGB).

Was passiert, wenn ich die Frist verpasse?

Dann bleibt die ordentliche Kündigung: bis zum dritten Werktag eines Monats zum Ablauf des übernächsten Monats (§ 573c BGB). Haben Sie der Erhöhung zugestimmt oder wurden Sie dazu verurteilt, zahlen Sie bis zum Auszug die neue Miete.

Kann ich die Sonderkündigung zurücknehmen?

Nur, wenn der Vermieter zustimmt. Die Kündigung wird mit Zugang wirksam. Kündigen Sie deshalb erst, wenn der Auszug feststeht.

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